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Kollege Großmutter! Soll ich nun dieses Arcade Fire-Werk nicht mehr lieben, nur weil sich die Kollegen der schreibenden Zunft an Lobeshymnen übertreffen und Arcade Fire als neues Mitglied ins Big American Songbook schreiben? Hype hin, Hype her. Nein, dieses dritte Album von den Indie-Göttern aus Kanada ist nur einfach verdammt noch mal gut!
Dieses lässige Barpiano, das einen in den ersten Takten direkt neben Sänger Win Butler in seinen abgewrackten Pickup setzt, in dem er gerade durch die trostlosen Straßen seiner Heimat, eben einem jener Suburbs von Houston, tuckert, ist allein schon ein treffender Grund, diesem Album einen Ehrenplatz zu reservieren. Und wieder mal gelingt es Arcade Fire zu überraschen. Wo auf den Vorgänger-Alben pathetisch-choraler Pomp oder alternativ feierliche Kirchenorgel-Intros grüßten, begeistert "The Suburbs" vor allem durch seine konsequente Einfachheit, für die sogar Sänger Butler sein lamentierendes Stimmvibrato weitestgehend in der Mottenkiste lässt.
Ganz im Gegenteil: Sie verliert sich manchmal gar in den teilweise punkigen Gitarrenwänden, die Arcade Fire bisweilen aufbauen. Bei all dem erzählen Arcade Fire die traurige Geschichte eines Mannes, der an den Ort seiner Kindheit zurückkommt, aus dessen Grau er sich heraussehnte, dessen Enge ihn einsperrte und dessen Trostlosigkeit ihn bedrängte. Jetzt sehnt er sich nach dieser Zeit zurück, als es nichts Schöneres gab, als mit Freunden rumzuhängen, durch die Vorstadt zu fahren. Als man sich noch Zeit für die wichtigen Dinge, wie Briefe an die große Liebe, genommen hat.
Aber die Freunde sind nicht mehr da, nicht einmal die Häuser stehen mehr. Für Romantik ist kein Platz mehr und erschreckt stellt man fest, dass sich nichts geändert hat: Damals war man ein Kind im Schulbus, das sich nach Freiheit sehnte, nach großer Welt. Dort angekommen fühlt man sich gefangen wie eben jenes Kind, allerdings im Strudel des sich immer schneller drehenden Lebenskarusells. Da sind sie wieder, die Großmeister der Melancholie, des Nachdenklichen, der Retrospektive. Eben genau die, die alle seit ihrem Debut lieben. Dagegen kommt auch kein Hype an!
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