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Im Frühjahr 2009 wurde Heidi Klum eine zweifelhafte Ehre zuteil: Alice Schwarzer kürte sie in ihrer Zeitschrift „Emma“ zum „Pascha des Monats“. Und, was sich vermutlich noch schlimmer als die Auszeichnung an sich anfühlen dürfte: Dieter Bohlen finde sie komisch, begründete Schwarzer in einem Interview mit dem „Standard“. Heidi Klums Show "Germany's Nest Topmodel" dagegen empfinde sie als „wirklich menschenfeindlich. Mit welcher Kälte und Arroganz sie diese naiven jungen Mädchen vorführt – einfach widerlich.“
Und doch: 2000 dieser jungen naiven Mädchen kamen allein nach Köln, wo für die neue, fünfte Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ gecastet wurde, die ab 4. März ausgestrahlt werden soll. Der Andrang auf die Show ist also nach wie vor ungebrochen, ebenso wie sich die Quote für ProSieben bei den vergangenen Staffeln auf einem angenehm hohen Niveau stabilisiert hat. 2009 erreicht GNTM einen Marktanteil von bis zu 26,3 Prozent bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern und stellte damit selbst RTL in den Schatten. Ein voller Erfolg also für den Sender und vor allem für Heidi Klum, der großen Gewinnerin ihrer eigenen Show.
Klum siegte mit geschicktem Product-Placement ihrer eigenen Werbepartner wie McDonalds beispielsweise und mit tüchtig-toughen Verträgen. So gab es 2009 schon keinen Agenturvertrag mehr für die Gewinnerin, stattdessen wird „Germany’s Next Topmodel“ von der Heidi Klum GmbH unter ihre Fittiche genommen, und somit von Heidis Papa Günther. Die Tochter steht als strahlende Topverdienerin da – einzig ihre Glaubwürdigkeit hat sie verloren.
Denn ein Topmodel wird bei GNTM schon lange nicht mehr gesucht, wozu auch? Weder eine Lena Gercke noch eine Barbara Meyer haben es auf die großen Catwalks der Welt geschafft, Jennifer Hof ward nach ihrer Krönung gar nicht mehr gesehen, und auch eine Sara Nuru wird hauptsächlich für sendereigene Magazine vermarktet. Heulbojen wie Gisèle, Zicken wie Fiona oder Tessa, Prollpärchen wie Sarah und Gina-Lisa – sie alle dienen nur dem Amüsement und natürlich der Quote. Ist das bei DSDS anders? Wohl kaum. Aber im Gegensatz zu Klum und Co. gab RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger freimütig zu, sein Casting-Format werde mehr und mehr als Dokusoap konzipiert. Wohingegen beim TV-„Genuss“ von „Germany’s Next Topmodel“ ein bitterer Nachgeschmack bleibt.
Und zwar nicht nur bei den Juroren, die Heidi Klum in regelmäßigen Abständen ihrer eigenen Selbstdarstellung zuliebe verschleißt, und nicht nur bei den „Mädchen“, die für Castings und Shootings zum Teil Stolz und Selbstwert hinunter schlucken müssen – und das sollte das einzige sein, das sie konsumieren, denn dünner geht’s immer. Auch das Publikum fühlt sich mit der Zeit veräppelt ob der Heidi-Klum-Show, die vorgibt, junge Talente zu fördern und ungeahnte Möglichkeiten zu eröffnen, aber letztlich doch nur einer Person eine Bühne zur Selbstvermarktung bietet. Heidi – wir haben heute leider kein Foto für dich.
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