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Verehrter Vonderthann, das rot-rote Gespenst geht wieder um in Deutschland. Kaum hat Oskar Lafontaine die politische Bühne der Links-Partei verlassen, wird über eine mögliche Koalition mit der Linken nachgedacht. Cem Özdemir, Vorsitzender der Grünen, hält eine Regierungskoalition von SPD, Grünen und Links-Partei für möglich.
Die Mauerschützen-Partei, wie die Linke im bürgerlich-konservativen Lager auch schon mal genannt wird, soll Bundesregierungspartei werden? Haben die Bürger denn vergessen? Die Vergangenheit dieser Partei? Ein Teil, der Ost-Teil, ist doch aus der PDS hervorgegangen. Und die wiederrum ist die Nachfolgepartei der SED, dem Herrschaftsinstrument des DDR-Regimes. Sind da nicht Zweifel angemeldet, ob die Linke wirklich auf dem Boden des Deutschen Grundgesetzes steht?
Seit es die Linke gibt, wird ihr vorgeworfen, sich nie mit ihrer Ost-Vergangenheit auseinandergesetzt zu haben. Aufarbeiten, so die Forderung, müsse sie ihre Verstrickungen in das DDR-Unrechtsregime. IMs, die sog. Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi, müssten identifiziert und aus der Partei verbannt werden.
Warum nur treibt es den Mitgliedern von Union und FDP bei diesen Forderungen nicht die Schamesröte ins Gesicht? Keine der traditionallen bürgerlichen Parteien in Deutschland hat der NsdAP Hitlers Widerstand geleistet. Einzig die SPD und die Kommunisten haben sich einem schmachvollen Burgfrieden bis zuletzt verweigert. Und was die Pflicht zur Aufarbeitung der historischen Verantwortung angeht, ist niemand mehr ein leuchtendes Beispiel als Angela Merkels CDU.
Gerade die Union wollte offensichtlich nicht ohne Funktionsträger des Dritten Reichs auskommen. Hier sei nur an zwei prominente Beispiele erinnert, an Hans Globke und Hans Filbinger. Globke war Staatssekretär in der Regierung Adenauer. In den Jahren davor diente er als Ministerialrat im Reichsinnenministerium und war maßgeblich an der Ausarbeitung der „Nürnberger Rassengesetze“ beteiligt.
Und Filbinger? Der CDU-Politiker war von 1966 bis 1978 Ministerpräsident Baden-Württembergs. Nach seinem Tod 2007 erklärte ihn der damalige CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger zum Widerstandskämpfer im Dritten Reich. Und dass obwohl Filbinger in seiner Funktion als Marinerichter im Dienste der Deutschen Wehrmacht nach in den letzten Kriegsjahren vier Todesurteil beantragt oder vollstreckt hatte.
Wann, bitteschön, haben die bürgerlichen Parteien Deutschlands ihre Verstrickung in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte aufgearbeitet? Wenn es ein Trost ist: Das demokratische System Deutschlands hat selbst an ein paar Alt-Nazis in Führungspositionen keinen Schaden genommen. Es wird wohl auch ein paar IMs überstehen.
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