Home Politik Sozialistischer Bruderkuss? Nein, danke!
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Meinung - Politik
Geschrieben von: Joachim Vonderthann   

Verehrter Dr. Bock, sie blühen wieder, die großlinken Träume im vereinigten Deutschland. Nach dem angekündigten Rückzug von Linken-Parteichef Oskar Lafontaine halten viele Sozialdemokraten das letzte Hindernis für ein Koalitionsbündnis mit den SED-Nachfolgern auf Bundesebene für beseitigt. Man sieht sie schon vor sich sitzen beim Unterzeichnen eines Koalitionsvertrags unter dem Motto „Linker Aufbruch“, die Herren und Damen Gabriel und Nahles (für die SPD) sowie Ernst und Lötzsch (für die Linke) – flankiert von Grünen Mehrheitsbeschaffern.

Doch allein die designierten neuen Chefs der Linken zeigen, welch fatale Entscheidung dies für die Bundesrepublik wäre – und welch dünne Personaldecke die Linke kennzeichnet. Oder wollen wir wirklich von einem fränkischen Linkspopulisten wie Klaus Ernst regiert werden, der nicht einmal in seinem eigenem bayerischen Landesverband, geschweige denn bei den ostdeutschen Linken genügend Rückhalt hat? Einem politischen Haudrauf und Lafontaine-Zögling, der nur aufgrund seiner West-Herkunft nach oben gespült wurde?

Oder von der Ostberlinerin Gesine Lötzsch, Bundestagsabgeordnete der früheren Stasi-Hochburg Lichtenberg, die wenig Berührungsängste gegenüber dem alten SED-Milieu zu haben scheint und in der Debatte um den „Unrechtsstaat DDR“ lautstark Einspruch erhob? Diesem Schreckenskabinett fehlte dann nur noch eine Wirtschaftsministerin Sarah Wagenknecht, die auch in jungen Jahren schon immer Alt-Kommunistin war.

Zu allererst muss die SPD diese Fragen beantworten – und zwar allesamt mit Nein! Anstatt mit linken Bündnissen zu liebäugeln, sollte sich die älteste demokratische Partei Deutschlands an ihre Geschichte erinnern. Die 1946 vollzogene Zwangsvereinigung mit der KPD in der Sowjetischen Besatzungszone zur Sozialistischen Einheitspartei hat die SPD in Ostdeutschland auf Jahre vernichtet und mehrere Tausend aufrechte Sozialdemokraten in Lager und Zuchthäuser gebracht.

Gewonnen werden Wahlen hierzulande immer noch in der Mitte. Das hat erst jüngst auch die CDU wieder in ihrer „Berliner Erklärung“ manifestiert. Und die letzten großen sozialdemokratischen Wahlgewinne wurden von einer bürgerlich ausgerichteten Schröder-SPD 1998 und 2002 eingefahren.

Die SPD und ihr Vorsitzender Sigmar Gabriel sollten sich um die Wähler der Linken kümmern, ja.  Gerade jetzt, wo der immer noch ostdeutsch ausgerichteten Partei ihre gesamtdeutsche Gallionsfigur Lafontaine abgekommen ist. Eine Annäherung und Anbiederung an Linken-Parteifunktionäre wäre hingegen das völlig falsche Signal. Die Linke muss stattdessen von der Sozialdemokratie jetzt massiv bekämpft werden. Nicht der sozialistische Bruderkuss ist das Gebot der Stunde, sondern der politische Todesstoß.

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